Kooperative für Text und Regie

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Laudatio für «Donkey der Schotte oder das Pferd, das sich Rosi nannte» von Ariane von Graffenried und Martin Bieri

«Das Buch handelt von dem Ritter Don Quijote, seinem Knappen Sancho Panza, einem Pferd und einem Esel.» So fasst Donkey, liebenswerter Vielleser und «Überallhinscheisser» in Ariane von Graffenrieds und Martin Bieris geistreicher Neubearbeitung von Cervantes die Romanhandlung für seine Stallnachbarin zusammen – anstelle des dürren Kleppers Rosinante aus dem spanischen Original steht hier das ambitionierte Vollblut, das sich «Rosi nannte», von Olympia und Weltruhm träumt und findet: «Mir wird das zu viel, dieses Dreckloch. Ich meine, mir ist das zu wenig.»

In dem 2018 am Konzert Theater Bern uraufgeführten und bei «RUA – Kooperative für Text und Regie» in Berlin erschienene - Stück wird der Landadlige Don Quijote zum pensionierten Lehrer Ritter, ziemlich dement, pragmatisch betreut von der kettenrauchenden Migrantin Sancha Pančićund seiner alleinerziehenden Pfarrerin-Tochter. Er hat «Don Quichotte» schon so oft gelesen, dass er wie dieser überall Ritter und Drachen sieht. Die Windmühlen kommen hier in seinem Garten zu stehen, dank einer eifrigen grünen Politikerin, die sich die Verwirrtheit des Rentners und den prekären Aufenthaltsstatus seiner Haushälterin gleichermassen zunutze zu machen weiss.

Ariane von Graffenrieds und Martin Bieris kombinierte Kompetenzen und Erfahrungen in Theaterwissenschaft, Dramaturgie, politischer Lyrik und Spoken-Word schlagen sich im Text in den subtil-stringenten Bezügen zwischen klassischem Stoff und brisanten zeitgenössischen Themen wie alternativen Energiequellen, Demenz, LGBT und Migration ebenso nieder wie im poetisch verspielten Umgang mit Sprachklang und Mündlichkeit, der schon im Titel beginnt.

Und sie manifestieren sich lustvoll in der enormen Kenntnis der Wirkungsmechanismen der Bühne,

  • -  wo ein verwirrter Rentner ebenso leicht als Ritter durchgeht wie ein stinkender Esel als Philosoph;

  • -  wo das So-tun-als-ob Vereinbarung ist

  • -  die Illusion zur geteilten Wirklichkeit wird,

  • -  und ein legendärer Gaul mühelos den Anschluss findet in der globalisierten Welt.

    Ariane von Graffenried, Martin Bieri, im Namen der Kommission gratuliere ich Euch von Herzen zu diesem Literaturpreis.

    (Amt für Kultur / Deutschspachige Literaturkomssion des Kantons Bern)

 


Die Uraufführung fand am 07.12.18 am Konzert Theater Bern in der Regie von Sophia Bodamer statt.
Die Preisverleihung fam 26. Juni 2019 in den Vidmarhallen, Vidmar 1, im Liebefeld statt.