Kooperative für Text und Regie

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Die Stunde, als wir nichts voneinander wissen wollten

(Kriegserklärungen)

von Philippe Heule

Philippe Heule beschreibt in seinem Text in atemlosen Bildern die Tyrannei der Gleichzeitigkeit. "The medium is the message." Die These von Jean Baudrillard ist längst Realität. Die Digitalisierung wirkt auf unsere Sinne und massiert unser gesamtes Sensorium. Krieg und Konsum werden als die zwei Seiten eines weltumspannenden Kapitalismus, der uns ohne Exit-Strategie fest im Griff hat, bespielt: Teilnehmer*innen eines Gipfeltreffens zelebrieren nach der politischen Performance genüsslich die eigene Ohnmacht, Jugendliche erleben Ego-Shooterspiele als Echtzeitkriege, tatsächliche Kriege gerinnen zu medialen Stereotypen, politische Machthabe bemisst sich in Länge und Festigkeit des Händedrucks vor laufenden Kameras, ein in einer Röhre gefangenes Kätzchen eint die Weltgesellschaft und wird daraufhin zur neuen Imageikone einer Rüstungsfirma. Der Terror lauert hinter jedem Sofarücken und jeder Häuserflucht. "Wir haben die Werkzeuge geformt, jetzt formen sie uns": Hauptsache Live.

Noch zum Millennium konnten wir uns ganze zwölf Sekunden konzentrieren, auch nicht gerade lange, aber danach ging es massiv abwärts, aber mal ehrlich, nicht nur mit der Aufmerksamkeitsspanne. Und heute schaffen die meisten Menschen nur noch sich mickrige sieben Sekunden auf einen Sachverhalt zu konzentrieren und damit liegt die Menschheit eine ganze Sekunde hinter dem Karpfen.

Besetzung variabel, frei zur UA