Kooperative für Text und Regie

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GEFANGEN IN DER FAMILIENBLASE

In den ewig anmutenden Kr
eislauf aus Alltag, Verachtung, Weltucht und verzweifelter Liebe bricht etwas Neues hinein, in Form von TomsArbeitskollegen Jim (Konstantin Weber). Die Mutter hat nun die Hoffnung, für ihre Tochter doch noch eine gute Partie zu machen. Es folgt langsameAnnäherung, ein Tanz, ein Kuss und ein Malheur, dass dem Lieblingstier der Tochter, dem Einhorn aus Glas, das Horn nimmt und es zum Pferdmacht. Das "Spiel der Erinnerungen", wie das Stück auch betitelt wird, wird es doch von Tom als Rückblende erzählt, dauert knapp zwei Stunden.Keine Minute davon ist langweilig. Nicht nur aus künstlerischen Gründen ist das Stück zu empfehlen. Es liefert zudem einen wichtigen Beitrag zuaktuell laufenden Debatten um gesellschaftlichen Zusammenhalt, zeigt, dass eben der dringend benötigt wird. Es bringt die Debatte an die Basiszurück, in die kleinste Zelle der Gesellschaft - in die Familie. Und dort ist die Abhängigkeit am Größten, wenn es ihr an ökonomischem (Geld), sozialem (Freunde) und kulturellem (Bildung) Kapital mangelt. Menschen wie die Wingelds verlieren den Anschluss an die Welt. Das Thema ist zeitgemäß wie nie. Und Nina Mattenklotz' Inszenierung legt den Finger direkt in die W
unde.

(
Sarah Hoffman, 01.03.2020, Freie Presse)