Molekularbiologin Mariam hat sich unabhängig vom Wissenschaftsbetrieb der Forschung an marinem Phytoplankton verschrieben. Nach sieben Jahren harter unbezahlter Forschung gelingt ihr das Unvorstellbare: Ihre Erfindung "Ozeanbitter" könnte in nur neun Monaten die Erderwärmung drastisch verlangsamen. Doch der unscheinbaren Zuchtalge Sichtbarkeit zu verschaffen, erweist sich als viel schwieriger als das wissenschaftliche Wunder selbst. Noch dazu als Frau ohne jegliches Vitamin B. Zu allem Überfluss erhält sie kurz vor einem wichtigen Auftritt bei einem großen Wissenschaftssymposium eine Schwangerschaftsdiagnose. Und das obwohl Mariam nie Sex hatte. Anstatt zur weltrettenden Wissenschaftlerin wird sie zu einer Zeit, in der Engel im Gleichschritt mit männlichen Erzählungen wieder gewaltig auf dem Vormarsch sind, zur heiligen Maria(m): einer schwangeren Jungfrau, in deren Körper in gerade mal neun Monaten der Retter gegen die drohende Apokalypse heranwächst.
In ihrem grandios-absurden Debüt verwebt Anna Blumer Fragen nach Klima- und Geschlechtergerechtigkeit, Wahrheit und Glauben zu einem pointierten Porträt unserer Gegenwart und fragt nicht zuletzt, welche (Um-)Erzählungen das Theater dem entgegenzusetzen vermag.
Anna Blumer
Vita
Anna Blumer kam 1988 ohne Verzug in Lenzburg zur Welt. Sie wollte zum Zirkus mit vier, tanzte mit vierzehn auf dem Seil des Jugendzirkus Chnopf mit eigener Nummer, maturierte brav, begann dann zu rauchen und vergrösserte ihren ökologischen Fussabdruck als Flight Attendant bei Swiss International Airline. Sie studierte Philosophie und Volkswirtschaft an der Universität Zürich mit dem Ziel, die Welt zu verstehen, scheiterte daran und liess sich in Wien am Max Reinhardt Seminar zur darstellenden Künstlerin ausbilden. Sie spielte unbedeutende und manchmal schöne Rollen am Schauspielhaus Zürich, an den Wupperthaler Bühnen, in österreichischen Sommertheatern und während sieben Jahren in Festanstellung unter Jonas Knecht am Theater St.Gallen. Sie war mit "Schweigen der Schweiz" zum Schweizer Theatertreffen eingeladen (Regie: Sophia Bodamer) und lernte im Tun tolle Theatermacher:innen kennen (u.a. die eben genannten, Matthias Rippert, Rieke Süßkov, Barbara David-Brüesch, Mirja Biel, Marie Bues, Olivier Keller, Wojtek Klemm).
Anna Blumer hörte mit dem Rauchen auf, als ihr erstes und bisher einziges Kind zu Welt kam. Seither sieht sie diesem Kind während vieler Stunden beim Wachsen zu. Ein Stipendium des Aargauer Kuratoriums brachte sie 2023 für drei Monate nach Berlin. Dort bewarb sie sich erfolgreich beim Autor:innen- Förderprogramm Dramenprozessor unter der Leitung von Hannah Steffen und Fadrina Arpagaus. In diesem Rahmen schrieb sie während des Jahres 2024 ihr erstes Theaterstück. Thomas Köck, Necati Öziri und Sivan Ben Yshai waren ihr als Mentor:innen neben anderen Menschen in dieser Zeit eine grosse Inspiration.
Anna ist glücklich, dass "Ozeanbitter oder Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind" bei rua ein Zuhause gefunden hat, während sie auf der Bühne des TOBS (Theater Orchester Biel Solothurn) unter der Leitung von Patric Bachmann und Olivier Keller weiter spielt und ihrem Kind dazwischen aktiv beim Wachsen zusieht. Sie hat sich vorgenommen, mit dem Rauchen wieder anzufangen, wenn sie in Rente geht.
Derzeit ist sie als Phädra auf der Bühne zu sehen.