Kooperative für Text und Regie

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Das Ende von Schilda (AT)

Ariane von Graffenried und Martin Bieri

Niemand ist klug genug, seine eigene Dummheit zu begreifen. Ausser die Bürger von Schilda. Mit ihrer überbordenden Schwachkopfigkeit enthüllen sie die Idiotie, die der Räson zugrunde liegt. Standhaft weigern sie sich, aus Schaden klug zu werden und je dümmer sie sich stellen, desto freier fühlen sie sich. 

Schilda ist das Elysium der Torheit, die Stadt hinter den sieben Bergen an der Ausfallstrasse Europas. Ein dunkles Abseits zwischen Raststätten, flackernden Billboards, brünstigen Fröschen und Wölfen. Die Schildbürger verschanzen sich in ihrem selbstgezimmerten Bunker des Schabernacks. Sie versalzen ihren Acker, versenken ihre Glocke im See und bauen ein Rathaus ohne Fenster. In ihrer Welt ist der Sauhirt Präsident. Die Poesie ihres Unfugs ist grenzenlos und demokratisch. Die Schildbürger sind die Verfechter der Blödheit als Weg der Erkenntnis. Konvention gilt ihnen nur etwas, wenn sie selber drauf gekommen sind, Wissen halten sie für nichts anderes, als den gegenwärtigen Stand des Irrtums und ihr politisches System basiert auf dem reinen Dogma der Unvernunft. 

Die um 1600 anonym verfasste Sammlung von Erzählungen, den Schildbürgerstreichen, wird heute oft für eine Kindergeschichte gehalten. In Wahrheit ist sie eine Parabel über den ständigen Versuch der Menschen, die richtigen Antworten auf die falschen Fragen zu finden.

Der neue Text des Autor*innenduos Ariane von Graffenried und Martin Bieri entsteht 2020.