rua. Kooperative für Text und Regie
Kooperative für Text und Regie

Figaro lässt sich scheiden
von Ödön von Horváth
in einer Bearbeitung von Jelena Kovačić und Übersetzung von

Wir befinden uns in einem Wald, irgendwo in Europa. Der Blick nach vorne geht in die tiefdunkle Nacht, der Blick nach hinten zeigt die Fahnen des Umsturzes. Es gibt kein Zurück mehr: Graf Almaviva, seine Frau die Gräfin, Figaro und dessen Frau Susanne befinden sich auf der Flucht vor der Revolution. Denn die Welt ist im Aufstand und geregelte hierarchische Strukturen werden mehr oder weniger radikal niedergeschlagen. Und so beginnt für die vier ein Leben in der Emigration, dass sie sich leichter vorgestellt haben, als es ist. Denn der Graf kann sich nur schwer an ein Leben ohne Luxus gewöhnen, die Gräfin hadert mit ihrer Gesundheit, Figaro passt sich immer mehr dem konformen Weltbild an und Susanne möchte nicht mehr nur mitlaufen. Und dann ist da ja auch noch Danton, quasi eine Koryphäe in Sachen Revolution, doch der sucht vor allem Gehör und scheitert immer wieder am ignoranten Selbsterhalt der Figuren.

In der Bearbeitung von Jelena Kovačić und der Übersetzung von Ivna Žic wird das Stück von Horváth weitergedacht. Wie funktioniert Gemeinschaft in einer zerbrechenden Welt? Was heißt Solidarität? Und was passiert, wenn Machtpositionen getauscht werden? Doch mit Blick auf ein Gesellschaftssystem, das dem Kapital unterlegen ist, wird schnell klar: "Die Zeit der Revolution ist längst vorbei, jetzt träumen wir nur noch von ihr. Sie existiert einzig im Reich der Ideen."