Ich fühle mich wie ein lebender Geist, durch den alles hindurch geht, was ihm passiert, und der selbst an seinen Erinnerungen zweifelt.
Kurz bevor diese stirbt, trifft Ako noch einmal auf seine Adoptivmutter Rosa, eine ebenso erfolgreiche wie egozentrische Künstlerin. Ihre Begegnung legt sofort alte Wunden wieder offen: Rosa attestiert Ako chronische Undankbarkeit, Ako beschuldigt Rosa, ihn permanent vernachlässigt zu haben. Besonders tief sitzt die Verletzung darüber, dass Rosa ihm als Kind eine Lügengeschichte über den Tod seiner kurdischen Mutter aufgetischt hatte. Von deren Suizid auf der „Casa Marina", einem Schiff im Hamburger Hafen, in dem Anfang der 90er Jahre Geflüchtete untergebracht waren, erfährt er erst als junger Erwachsener. Nach Rosas Tod beginnt Ako gemeinsam mit der Schauspielerin Elisabeth in einem Filmprojekt, die Beziehung zwischen sich und Rosa zu reinszenieren. Gespielte Realität und vergangene Fiktion verschwimmen zusehends. Und mit Elisabeth, die eine eigene Vorstellung von Rosa hat, eröffnen sich auch für Ako nach und nach neue Perspektiven. Schließlich lassen sich mit nur fünf kurdischen Wörtern ganze Universen erschaffen: Pispisê mulukê. Derya nabekê sivik dibe - Das Flüstern des Königs. Das Meer am Nabel lässt nach. Mit psychologischem Feingefühl erzählt Mazlum Nergiz in GROSSE ELBSTRASSE 275A wie sich aus Erinnertem Identität konstruiert und wie nah Lüge und Wahrheit bei diesem fortwährendem Prozess zusammenliegen.