Kooperative für Text und Regie

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Tucké Royale

Tucké Royale
© Grey Hutton

Vita

Tucké Royale wurde 1984 in Quedlinburg geboren. Er arbeitet als Autor, Regisseur, Musiker und Schauspieler. Royale studierte Judaistik an der Freien Universität Berlin und Puppenspielkunst an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seine Solo-Stücke TUCKÉ ROYALE und ICH BEISSE MIR AUF DIE ZUNGE UND FRÜHSTÜCKE DEN BELAG, DEN MEINE RABENELTERN MIR HINTERLIESSEN wurden international gezeigt. Kollaborationen mit dem Regie-Duo Gintersdorfer Klaßen, Talking Straight und Lola Arias. 2015 inaugurierte Royale den Zentralrat der Asozialen in Deutschland und tritt seitdem als dessen Erster Sprecher für die NS-Verfolgten ein. Gemeinsam mit Hans Unstern und Black Cracker gründete Royale 2016 BOIBAND. 2017 hat Tucké Royale sein in Zusammenarbeit mit Johannes Maria Schmit geschriebenes Rachemusical MIT DOLORES HABT IHR NICHT GERECHNET am Maxim Gorki Theater in Berlin uraufgeführt. Im Sommer 2019 wird Johannes Schmit den von Tucké Royale geschriebenen queeren Heimatfilm STONEWALL UCKERMARK mit Royale in der Hauptrolle inszenieren.

Texte

  • Ich beiße mir auf die Zunge und frühstücke den Belag, den meine Rabeneltern mir hinterließen
    Ich beiße mir auf die Zunge und frühstücke den Belag, den meine Rabeneltern mir hinterließen

    Wie reüssiert man als Pseudohermaphrodit an einer Schauspielschule, die das binäre Rollenkorsett Jahr für Jahr mit der Auswahl seiner Studierenden fortschreibt. Die Antwort ist einfach und brutal: Man passt sich an. Das geht eine Zeit lang gut, dann immer weniger und irgendwann hält man die falsche Performance nicht mehr aus. Und Tucké Royale wird geboren. In und mit diesem Namen hat die ganze Person Platz – als Kunstfigur auf der Bühne und im alltäglichen Leben. Tucké Royale „gibt“ die Rolle des Flüchtigen, krönt sich mit der Krone der Unpässlichkeit, fordert, provoziert und lockt uns mit der Frage: Wer schafft hier eigentlich welche Realität? Abschließende Lektionen in der Sprache des Uneindeutigen, performativer Irritationen scheinbar starrer Geschlechtsidentitäten, machen das Publikum zu „Herm“-Pionier*innen. 
    Eine fröhlich-utopische Intervention verdichtet in einem zehnseitigen Text!

    UA: 20.12.2013, Ballhaus Ost Berlin

  • Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet
    Ein queeres Rachemusical

    Im Schoß des osteuropäischen Judentums kommen im frühen 20. Jahrhundert die Zwillinge Ida und Dolores auf die Welt – vermeintlich als Mädchen und Junge. Während ihrer Kindheit auf dem Land nutzen die beiden die diversen Angebote zu Schlägereien und Ballettunterricht. Ihre Tanzbegabung führt sie früh aus der Enge der Provinz auf die europäischen Varieté-Bühnen der Goldenen Zwanziger. Mit dem Überfall NS-Deutschlands auf Polen wird diese Verbindung plötzlich prekär. Nach zwei Jahren des Zusammenhaltens im Warschauer Ghetto werden die Zwillinge gewaltsam getrennt, Ida nach Treblinka deportiert. Dolores schlägt sich ohne die Schwester bis in die deutsche Hauptstadt durch. Im Untergrund des queeren Berlins lebend und mit gefälschten Papieren ausgestattet, tritt sie im Wintergarten-Varieté als Tänzerin auf. Berühmt und begehrt für ihre schönen Beine, verschafft sie sich Zugang zu den Kreisen der Logistiker des Holocaust, um im Zentrum der Macht erbarmungslose Rache an den Nazis zu üben. 

    Autor und Regisseur Tucké Royale lässt in seinem Rachemusical die Biographien queerer, jüdischer Widerstandskämpfer*innen miteinander verschmelzen. MIT DOLORES HABT IHR NICHT GERECHNET erzählt von zwei bewaffneten Heldinnen und setzt dem Stereotyp jüdischer Ohnmacht und Wehrlosigkeit die ausnahmslose Vergeltung der deutschen Schuld entgegen. 

    mindestens 8 Spieler*innen

    UA: 26.10.2017, Maxim Gorki Theater Berlin

  • Tucké Royale
    Tucké Royale

    Jetzt mal ganz ehrlich, ich bin wirklich immer das, was ihr denkt, was ich bin. Ich bin nur Interpretation. Ich bin das gar nicht. Ich bin ein Wort ohne Bedeutung. Ich bin der äußere Schein. Das Als-Ob. Wie das Theater. Ich bin das Theater selbst. Ich bin Pseudo.

    Der Text TUCKÉ ROYALE bildete die Grundlage für den gleichnamigen Solo-Abend. Anfangs wird das autonome Ich als Schöpfer der Kunstproduktion behauptet und zurückgewiesen. Dann beginnt eine eklektizistische Identitätssuche: Figuren aus der griechischen und nordischen Mythologie stehen neben Kindheitserinnerungen in Sachsen-Anhalt, einer Sex-Orgie mit dem Führer und Liedtexten, die heteronormative Rollenbilder neu besetzen. Ein Pseudo-Hermaphrodit, bei dem Geschlechterwechsel zum anarchistischen Spiel werden.
    Ich ist immer ein*e Andere*r.

    UA: August 2010, Sankt Petersburg, Russland

Regie

  • Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet
    von Tucké Royale und Johannes Maria Schmit
    Regie: Tucké Royale
    Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet
    © Ute Langkofel
    Im Schoß des osteuropäischen Judentums kommen im frühen 20. Jahrhundert die Zwillinge Ida und Dolores auf die Welt – vermeintlich als Mädchen und Junge. Während ihrer Kindheit auf dem Land nutzen die beiden die diversen Angebote zu Schlägereien und Ballettunterricht. Ihre Tanzbegabung führt sie früh aus der Enge der Provinz auf die europäischen Varieté-Bühnen der Goldenen Zwanziger. Mit dem Überfall NS-Deutschlands auf Polen wird diese Verbindung plötzlich prekär. Nach zwei Jahren des Zusammenhaltens im Warschauer Ghetto werden die Zwillinge gewaltsam getrennt, Ida nach Treblinka deportiert. Dolores schlägt sich ohne die Schwester bis in die deutsche Hauptstadt durch. Im Untergrund des queeren Berlins lebend und mit gefälschten Papieren ausgestattet, tritt sie im Wintergarten-Varieté als Tänzerin auf. Berühmt und begehrt für ihre schönen Beine, verschafft sie sich Zugang zu den Kreisen der Logistiker des Holocaust, um im Zentrum der Macht erbarmungslose Rache an den Nazis zu üben. 

    Autor und Regisseur Tucké Royale lässt in seinem Rachemusical die Biographien queerer, jüdischer Widerstandskämpfer*innen miteinander verschmelzen. MIT DOLORES HABT IHR NICHT GERECHNET erzählt von zwei bewaffneten Heldinnen und setzt dem Stereotyp jüdischer Ohnmacht und Wehrlosigkeit die ausnahmslose Vergeltung der deutschen Schuld entgegen. 

    Die Produktion ist ein Projekt von Tucké Royale und dem Schwulen Museum* Berlin, gemeinsam produziert mit dem Studio Я des Maxim Gorki Theaters Berlin. In Koproduktion mit Kampnagel Hamburg und in Zusammenarbeit mit dem Puppentheater Halle. Im Rahmen des Projekts "Queering Holocaust History" gefördert durch die
    Kulturstiftung des Bundes, sowie gefördert durch die Kulturbehörde Hamburg, Hamburgische Kulturstiftung, Rusch Stiftung und Rudolf Augstein Stiftung.
     

     
    UA: 26.10.2017, Maxim Gorki Theater Berlin
     
    Text & Regie: Tucké Royale
    Ko-Autor: Johannes Maria Schmit
    Bühne/Kostüme/Puppen: Josa Marx
    Dramaturgie: Tobias Herzberg
    Musik: Ted Gaier, Yuriy Gurzhy, Angy Lord, Paula Sell
    Puppenspiel: Mathias Becker, Friedericke Miller, Oscar Olivo, Mehmet Yilmaz
    Licht: Daniel Krawietz, Fritz Stötzner
    Künstlerische Mitarbeit: Mateusz Szymanowka
    Assistenz: Ariana Battaglia, Rafi Martin, Tinka Legvart
    Produktionsleitung: ehrliche arbeit – freies kulturbüro
     
    Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet ist ein Abend, der nicht nur die Mär vom Opfer-Juden dekonstruiert, sondern auch Gender-Aspekte erörtert, die bislang aus der Forschung ausgeschlossen waren. Tucké Royale hat jedoch kein buntes, vor Glitzer und Kitsch strotzendes Werk im Gorki-Studio geschaffen, sondern eines, das mit leisen Akzenten arbeitet.
     
    (Max Müller, 01.11.2017 in der Berliner Morgenpost)
     
     
     

Extras