Kooperative für Text und Regie

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Anah Filou

Anah Filou

Vita

Anah Filou aka Effe U Knust, geboren 1989, lebt in Wien. Hat Philosophie und Kunstwissenschaft in Linz und Szenisches Schreiben in Graz studiert. War an der Akademie der Bildenden Künste Wien in der Klasse für Performative Kunst und Teilnehmerin an: Schreibklasse am Schauspielhaus Wien 2014, Interplay Europe 2016 in Schweden, Summer School Südtirol 2016, Frankfurter Autor*innenforum für Kinder- und Jugendtheater 2016, 24h Drama 2016 am Theater Konstanz, 96amstück 2018 in Basel, 4+1 am Schauspiel Leipzig 2018, d.ramadan 2018 am Theater Oberhausen, Lit.Fest Stuttgart 2018, Stipendiat*innen-Programm des Heidelberger Stückemarkts 2019. Veröffentlichungen in Lichtungen, Bella Triste, Politisch Schreiben und anderen.

Beständige Zusammenarbeit mit der Regisseurin Anna Laner als 3000THEATER:

"Viel Theater. Reichlich Galore im Überfluss. Interessiert sich für 'Hülle und Fülle', also für Bedeutungsverschiebungen. Interessiert sich für Sprache und Ideologie. 3000THEATER macht Theater in rauen Mengen, sehr rau, das glättende Behagen der Kulturproduktion aufzurauen, miau. Wenn 3000THEATER eine Katze im Internet wäre, dann mit schönstem, schillerndem Fell. Wenn 3000THEATER ein Gegenteil wäre, dann das Gegenteil von SPARTA300 und toxischem Chauvinismus. 3000 going on 4000, Zukunftsmusik jetzt."

Texte

  • Am Hafen mit Vogel

    Nanina fliegt. Zum ersten Mal. Und hat jetzt einen Pass. Auf den soll sie gut achtgeben, er darf nicht zerdrückt werden und sie soll ihn "mehr so vorsichtig halten", sagt ihr Papa. Gemeinsam wollen sie Naninas nach Zimt und Koriander riechende Oma besuchen: über sieben oder acht oder neun Länder hinweg. Im Flughafen dann heißt es aber erst mal warten: in der sogenannten Transitzone, oder Tanzzitrone oder Dransidone oder Hans Melone oder Gans mit ohne? Wer weiß das schon?
    An diesem Ort jedenfalls trifft Nanina auf Dodo. Die stellt sich vor als Kosmopolitin beziehungsweise Kosmospilotin und hat viele Ideen. Aber im Gegensatz zu Nanina keinen Pass: Man hat Dodo eine Flugunfähigkeit attestiert und jetzt steckt sie fest, in diesem an alle Länder und doch an keines angrenzenden Durchgangsort. Aber was ist das überhaupt: Länder und Grenzen und Fahnen, die etwas markieren, verorten, ausweisen.

    Dodo hat einen Traum: Als Kapitanska Dodo fliegt sie mit Luft und Liebe und ganz ohne Kerosin auf 11 Kilometer Höhe. Wirft einen Konfettiregen aus Pässen auf die Erde und verwischt die Fahnen und Grenzen, die Welt wird eins. Denn jetzt mal Hand aufs Herz: Wer hat schon mal ein Rotkehlchen bei der Passkontrolle gesehen?

    UA: 17.03.2019, Hessisches Landestheater Marburg, Regie: Carola Unser

    Das Stück und die Inszenierung sind im Rahmen von "Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater", ein Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland und des Deutschen Literaturfonds e.V. mit Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert worden.

  • Weißer Rauch. Pocahontas im Virginia-Megastore

    Land genommen, Frau genommen, Körper genommen

    Was passiert, wenn sich koloniale Verblendungen, stereotype Vorurteile und hierarchische Festlegungen aus ihrem historisch gewachsenen Fundament in das Gegenwärtige transformieren?
    In den 90ern ein Höhenflug: Die Liebe zwischen einem britischen Kolonialherren und der Native-American-Schönheit. Captain Smith trifft Pocahontas und ihre Liebe scheint alle Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen, scheint in unendlicher Philanthropie alles Schlechte aus dem Weg zu räumen - Menschlichkeit gewinnt immer. So zumindest im Disney-Liebes-Wunderland. Doch was steckt hinter der vergoldeten Überlieferung von Pocahontas? Da wird aus der Liebesgeschichte ein perfides Machtspiel in dem nicht nur das Land als bespielbare Fläche betrachtet wird, sondern auch der Mensch, im speziellen die Frau zu einem Objekt, das einem radikalen Werturteil ausgesetzt ist.
    In dem Monolog WEISSER RAUCH. POCAHONTAS IM VIRGINIA-MEGASTORE setzt Anah Filou die realen Beziehungen von John Smith, Pocahontas und ihrem Mann, dem Tabakhändler John Rolf in ein neues Licht und beschreibt so Strukturen der modernen Verkaufs- und Entertainmentgesellschaft. Kolonialismus ist die Geschichte mächtiger Männer und ihrer bewahrenden Überlegenheit. Vergänglich ist davon rein gar nichts, alles schreibt sich fort – auch wenn Trauerweiden sprechen können, Peggy Lee die Liebe besingt und diese Geschichten Kinosäle füllen. Was bleibt ist die Unterdrückung, 1607, 1995 und jetzt und es ist höchste Zeit für ein "Comeback das die Comebacks beendet."

    UA: 21.10.2019, Koproduktion Theater Drachengasse Wien und 3000THEATER, Regie: Anna Laner