In »FALLZAHL« entwirft Anah Filou eine surreale, zugleich gegenwärtige Welt, in der ihre Figuren das Dasein sprachspielerisch, feinfühlig und suggestiv umkreisen. Die Autorin Echo, gefangen in einer Schreibkrise, zieht mit ihrer Partnerin, der Wissenschaftlerin Hela, nach Kaufmannshafen. Hela arbeitet am Institut für Unsterblichkeitsforschung, wo sie sich mit den "unendlich unverschiedenen" Zellen des Krebses und dem "unverändert unvergänglichen" Asbest beschäftigt. Doch während sie an der Verlängerung des Lebens arbeitet, bleibt der Wunsch nach Schöpfung, nach einem Kind, als leises Gegenmotiv bestehen: der Impuls, Leben zu geben, statt es technisch zu konservieren.
Zwischen Hela, Echo, der KI Galia, der erlösungsbedürftigen Meerjungfrau Finn und Odine, einer Figur aus Echos unvollendetem Roman, entspinnt sich ein nachdenkliches Spiel über Endlichkeit und Beharrung, über das Fortleben in Text, in Körpern, in Erinnerung. Der viele Schnee, der das Stück durchzieht, legt sich wie ein Schleier über die Welt, als wollte er sie gleichzeitig auslöschen und bewahren, als wäre jede Spur bereits ihr eigenes Verschwinden. So wird »FALLZAHL« zur poetischen Meditation über die auf ihr Ende zusteuernde Menschheit, über das Schöpferische im Angesicht des Untergangs. Es ist eine Reflexion darüber, was bleibt, wenn das Leben selbst zum Forschungsgegenstand geworden ist und wie sich dennoch etwas zutiefst Menschliches behauptet: das Bedürfnis, zu berühren, denn "wo sich die Wunden berühren, dort zusammenverheilen die ehemals verschiedenen."
Der Titel schließlich trägt diese Spannung in sich: »FALLZAHL« im Singular. Nicht die Masse, nicht die Statistik, sondern das einzelne, unersetzbare Leben steht im Zentrum. Das Stück verweigert die Auflösung des Individuums in der Zahl und beharrt auf der Einzigartigkeit jedes Falls, jeder Stimme, jeder Wunde.