Kooperative für Text und Regie

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Philippe Heule

Philippe Heule
© Bernadette Kolonko

Vita

Philippe Heule, 1986 geboren, wuchs im St. Galler Rheintal auf. Nach einem Schauspielstudium in Hamburg studierte er Theaterregie an der Zürcher Hochschule der Künste. Außerdem war er Gast im Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Er ist Begründer des Performance-Kollektivs helium x. Sein Theaterstück DIE SIMULANTEN wurde 2016 am Theater Dortmund als Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen uraufgeführt. In der Spielzeit 2015/16 war er Hausautor am Theater Basel. Im September 2018 inszenierte er am Theater St.Gallen sein Stück SPEKULANTEN.
2018 erhielt er für sein Stück DIE STUNDE, ALS WIR NICHTS VONEINANDER WISSEN WOLLTEN den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis.


"Das Theater ist für mich ein Trainingsgebiet im Kampf gegen die Verblendungen, gegen die Orientierungslosigkeit in den Verwerfungen der Gegenwart. Ich beginne mit dem Rohstoff Realität zu spielen und überführe ihn in eine andere Form von Sichtbarkeit, um das Drama greifbar zu machen. Absurditäten und Widersprüchlichkeiten unseres persönlichen und politischen Miteinanders interessieren mich in all ihrer Abgründigkeit, Verderbtheit und Bösartigkeit, wobei ich versuche auch im dunkelsten, verzweifelten Missverständnis noch den Witz herauszuschälen. Das Ringen nach Worten und Bildern, die gegen die Vereinnahmung und Vereinfachung antreten braucht Mut und Ausdauer und bleibt ein steter Kampf, der nach Verbündeten verlangt." (Philippe Heule)

Texte

  • Die Stunde, als wir nichts voneinander wissen wollten
    (Kriegserklärungen)

    Philippe Heule beschreibt in seinem Text in atemlosen Bildern die Tyrannei der Gleichzeitigkeit. "The medium is the message." Die These von Jean Baudrillard ist längst Realität. Die Digitalisierung wirkt auf unsere Sinne und massiert unser gesamtes Sensorium. Krieg und Konsum werden als die zwei Seiten eines weltumspannenden Kapitalismus, der uns ohne Exit-Strategie fest im Griff hat, bespielt: Teilnehmer*innen eines Gipfeltreffens zelebrieren nach der politischen Performance genüsslich die eigene Ohnmacht, Jugendliche erleben Ego-Shooterspiele als Echtzeitkriege, tatsächliche Kriege gerinnen zu medialen Stereotypen, politische Machthabe bemisst sich in Länge und Festigkeit des Händedrucks vor laufenden Kameras, ein in einer Röhre gefangenes Kätzchen eint die Weltgesellschaft und wird daraufhin zur neuen Imageikone einer Rüstungsfirma. Der Terror lauert hinter jedem Sofarücken und jeder Häuserflucht. "Wir haben die Werkzeuge geformt, jetzt formen sie uns": Hauptsache Live.

    Noch zum Millennium konnten wir uns ganze zwölf Sekunden konzentrieren, auch nicht gerade lange, aber danach ging es massiv abwärts, aber mal ehrlich, nicht nur mit der Aufmerksamkeitsspanne. Und heute schaffen die meisten Menschen nur noch sich mickrige sieben Sekunden auf einen Sachverhalt zu konzentrieren und damit liegt die Menschheit eine ganze Sekunde hinter dem Karpfen.

    Besetzung variabel, frei zur UA

  • Spekulanten

    Die neu gewonnene Sicherheit brachte auch eine gewisse Monotonie mit sich. Doch der Schein trügt, denn unterirdisch und im Verborgenen spielen sich seitdem verhängnisvolle Kettenreaktionen ab.

    Dominoeffekte aus Kalkül, Biederkeit und Tradition. Zwistigkeiten und Verletzlichkeit, ausgelöst von Spekulanten, "die in der Hoffnung auf große Gewinne riskante Geschäfte machen". Da ist das Wohnzimmer von Oma und Opa. Eine zum Stammtisch umfunktionierte Garage. Ein Neubau mit Glasfront. Orte an denen Menschen aufeinandertreffen - jung, alt, arm, reich, sensibel, derb. Orte der Sicherheit, Auseinandersetzung und – der Heimat? Der Anstandsbesuch der Enkelin, die üblichen Verdächtigen beim Feierabendrausch nebst Schlagabtausch, ein schockgefrostetes Ehepaar beim Abendessen. Szene an Szene entfaltet sich eine Welt in der die wesentlichste Angelegenheit von Eltern das Gewicht ihres Sohnes ist und Beerdigungen zum Ringkampf um Flachbildschirme mutieren. Dem Blick aus bodentiefen Fenstern nach einem gewaltvollen Streit, folgt anderswo der heimliche Besuch eines Bordells. Randvoll mit Mousse au Chocolat, Bratwurst und Speck im Speckmantel soll der Rückgrat-Begradigungs-Umschnallgurt Ängsten und Sorgen Abhilfe leisten.

    Philippe Heule hat sich auf eine Recherchereise durch seine Heimat begeben und einen absurden Kosmos aus Begegnungen, sozialen Verzahnungen und Gefühlslagen geschaffen. Während unablässig geredet und Normalität behauptet wird, lauern tiefe Ängste und eiserne Ignoranz. Ein alptraumhaftes und sehr komisches Stück über letzte Sicherheiten: "Zu Hause ist doch aller Anfang schwer."

    5 Spieler*innen

    UA: 09.09.2018, Regie: Philippe Heule, Theater St. Gallen

Regie

  • Die umfassende und unwiderlegbare Chronik der Ereignisse
    Text & Regie
    UA: 14.11.2018, Theater Basel, Monkey Bar
  • Spekulanten
    Text & Regie
    UA: 09.09.2018, Theater St.Gallen

    Der Theaterautor Philippe Heule macht in "Spekulanten" das Rheintal zur zartbitteren Revue. Ein Open-Air-Vergnügen - schrill und dezent. Es ist Volkstheater im besten Sinne: pointiert und lebensnah.

    (Hansruedi Kugler, St. Galler Tagblatt)