Kooperative für Text und Regie

◀ zurück

Jonas Knecht

Jonas Knecht
© Jos Schmid

Vita

www.jonasknecht.com

Jonas Knecht wurde 1972 in St. Gallen in der Schweiz geboren, studierte Elektrotechnik in Rapperswil und arbeitete ein Jahr lang als Telekommunikationsingenieur in Zürich. Von 1999 bis 2003 studierte er Puppenspielkunst und Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Bereits während des Studiums gründete er die Produktionsplattform theater konstellationen. Seit 2003 arbeitet er als Regisseur an festen Häusern und in der freien Szene in Deutschland und der Schweiz. Seit August 2016 leitet Jonas Knecht als Schauspieldirektor die Sparte Schauspiel am Theater St.Gallen.
Dort entstanden seit Herbst 2016 Produktionen wie HAMLET_LOK, als erster Teil der Eröffnungstrilogie HOTSPOTHAMLET oder VERSETZUNG, die Schweizer Erstaufführung von Thomas Melles Drama über einen bipolar erkrankten Lehrer.
Zusammen mit Gabi Bernetta hat er das zweijährig stattfindende jungspund – Theaterfestival für ein junges Publikum St.Gallen initiiert. 
Mit theater konstellationen entwickelte er in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit verschiedenen Theatern und Spielstätten zahlreiche Stücke wie die Uraufführung von Tim Krohns Kultbuch VRENENELIS GÄRTLI oder die Live-Hörspiel-Produktion WILLKOMMEN IN DER TYRANNEI MEINER INTIMITÄT.
Von Juli 2011 bis Januar 2012 war er Gastprofessor an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin.


Regie

  • Città irreale
    Audiowalk zur gleichnamigen Kunstausstellung in der Lokremise - Kooperation mit dem Kunstmuseum St.Gallen
    Inszenierung: Anja Horst und Jonas Knecht
    Uraufführung: 06.03.2021

    Der theatrale Audiowalk entführt, verführt, bewegt, schüttelt durch, nimmt mit auf eine Reise. Geführt von Punkt zu Punkt am Boden, an besinnliche Plätze, bis tief ins Innere und über die Wolken. So tastet man sich Schritt für Schritt entlang und in die Tiefe der langgezogenen Gipskonstruktion Kreidefelsen auf Rügen 1818, oder hebt im Herzstück der Ausstellung OI#0486 ab, einer rekonstruierten Flugzeugkabine von Bob Gramsma, in der Gefühle von Tragik und Nostalgie vorüberfliegen. Samt Sehnsucht nach der Sicherheitsanweisung zu Beginn des Flugs, die hier ausbleibt. Auch eine Corona-Erfahrung: Nach langem Verzicht fehlen uns die «nervigsten» Dinge gerade am meisten.

    (Saiten-online, 09.03.2021)

  • Die lächerliche Finsternis
    von Wolfram Lotz
    Premiere: 09.12.2020, Theater St.Gallen

    Gerade noch gelingt inmitten dieser sonderbar viralen Ungemütlichkeit ein Streich der Superlative. Und richtiggehend verklärt verlässt man den wunderbaren Theaterraum, schwankend, ein bisschen wie in einem Boot. Oder in einem Kanu, wie es – purpurrot – auf der Bühne steht, dann wieder liegt und nicht nur als Requisit an den Ostschweizer Künstler Roman Signer erinnert: Auch er ist einer wie Lotz, ein humoriger Melancholiker, der gern im Wasser mit dem Feuer der Unwäg​barkeit spielt.

    So darf also Theater sein: so behände an den Rissen, den Verwerfungen entlang inszeniert, dass die Harmlosigkeit von selbst das Weite sucht.

    (03/2021, Brigitte Schmid-Kugler, TdZ)

    Knechts verinnerlichte und hoch-poetische Lesart zeigt auf eine stupende Weise, wie Menschen Unbekanntes zu bannen versuchen. Hier ist es die Natur, das sogenannte Wilde: mithilfe von Ein- bildung und Wahn nämlich. Diesem Anderen, Bedrohlichen heute «Covid» zu sagen, liegt nahe. Doch Theater muss das Fremde nicht benennen. Es hat dafür einen simplen Begriff bereit – die Kraft unserer Imagination.

    (14.12.2020, Daniele Muscionico, NZZ)


     

  • Warten auf Godot
    von Samuel Beckett (coronabedingt abgesagt)
    Premiere: 24.04.2020, Volkstheater Wien
  • Der Prozess
    von Anita Augustin, nach dem Roman von Franz Kafka
    Premiere: 10.01.2020, Theater St.Gallen
  • Der letzte Schnee
    von Arno Camenisch
    Premiere: 08.11.2019, Konzert Theater Bern

    Romane auf der Bühne brauchen etwas mehr, das Medium Theater muss seine Stärken einbringen. Der scheinbare Naturalismus wird hier fein unterlaufen und überhöht: Einerseits durch Anna Trauffers Live-Musik zwischen Glasharfenklängen und Mahler-Adaption, die einen doppelten Boden schafft. Andererseits durch den Kunstgriff der Regie, den beiden Berglern zwei unsichtbare, aber effiziente Spezialisten der Vergänglichkeit gegenüberzustellen. Geisterhaft, aber überhaupt nicht unheimlich, räumen sie auf, was nicht mehr gebraucht wird. Was kann alles weg? Das Resultat am Schluss dieses 95-minütigen Requiems ist in seiner Lakonik eher erschreckend als überraschend.

    (Tobias Gerosa, Schweizer Theatertreffen 2020)

    Die Inszenierung bleibt nah am Text und schafft es, die Variationen über das Verschwinden in starke Bilder auf die Bühne umzusetzen: ein kleines, kauziges Welttheater, in dem sich Trost und Verlorenheit aufheben.

    (Anne-Sophie Scholl, 11.11.2019, Der kleine Bund)

    Regisseur Jonas Knecht gelingt eine witzige, skurille und karikaturhafte Uraufführung von "Der letzte Schnee" des Bündner Autors Arno Camenisch (...) mit klimapolitischem Impetus.

    (Corinna Härle, 11.11.2019, Bündner Tagblatt)

    Der stille, poetische und hochmusikalische Abend basiert auf dem gleichnamigen Roman von Arno Camenisch (...) – Jonas Knecht als Regisseur, Dramaturg Michael Gmaj und das Ensemble entwickelten eine verdichtete und dabei dichterische Version. Sie ist in ihrer musikalischen Kraft (Anna Trauffer sorgt für Naturtöne) und in ihrer dramatischen Energie dem Original nicht nur ebenbürtig, sie ist ihr in etlichen Passagen sogar überlegen. Denn hier wird aus Text Spiel, aus Sprache Musik und aus Musik Sprache. Die Produktion kennt die Mittel des Theaters und setzt sie effektsicher ein. Der Mehrwert ist enorm. Die Camenisch-Sätze und Camenisch-Themen – der Verlust von Tradition und von Herkunft – gewinnen an Tiefe und Kraft. Am Ende werden zwei neu eingeführte Götterboten ("Spezialisten der Vergänglichkeit") das Bühnenbild von Markus Karner auf kalte, aber entschiedene Weise in seine Teile zerlegen. Doch was tun die nun unbehausten Menschlein sodann? Die Antwort führt ins Theater. In einen Abend, der Camenisch entdeckt, wie dieser sich selber so wahr wohl nicht kennt.

    (Daniele Muscionico, 22.12.2019, NZZ)

  • Endstation Sehnsucht
    von Tennessee Williams
    Premiere: 07.06.2019, Theater St.Gallen
    Endstation Sehnsucht
    © Iko Freese

    Spannend wird das Spiel der Kameras, wenn sie von Voyeuren zu Akteuren werden. Wenn Blanches toter Ehemann im Film direkt zu ihr geschnitten wird, auf der Bühne aber mehrere Meter entfernt steht. Oder wenn die Kameras Blanche wie ein lästiger Stalker bedrängen, sich ihr Gesicht mehrfach im Spiegel bricht oder in vielen Perspektiven gleichzeitig auf der Leinwand erscheint.

    (Valeria Heintges, 07.06.2019, nachtkritik)

  • Dornrösli bockt
    frei nach den Brüdern Grimm von Anja Horst
    SEA: 23.01.2019, Theater St.Gallen
  • Versetzung
    von Thomas Melle
    SEA: 13.09.2018, Theater St.Gallen

    Jonas Knechts Inszenierung [...] erreicht unsere Lebensrealität und spielt mit der Erfahrung der Zuschauer; und dennoch ist sie voller Bilder von kunstvoll poetischer Kraft und hochmusikalisch, auch in ihrer Sprachbehandlung.

    (Daniele Muscionico, 22.11.2018, Neue Zürcher Zeitung)